1. Einleitung

Glas ist zer­brech­lich – diese Eigen­schaft ist jedem bewusst. Wenn ein Trink­glas zu Boden fällt, hin­ter­lässt es etli­che Scher­ben. Aber es war nicht immer so. 1980 wurde die Glas­se­rie Super­fest ver­öf­fent­licht. Die­ses che­misch ver­fes­tigte Glas, her­vor­ge­gan­gen aus den Wir­te­glä­sern von 1973, hielt was der Name ver­sprach und wurde in einem gan­zen Land ein­ge­setzt. Doch warum sind die übli­chen Trink­glä­ser heute wie­der zer­brech­lich? Ent­wi­ckelt und ver­wen­det wur­den die Glä­ser in der DDR. Nach der poli­ti­schen Wende fan­den sich jedoch keine Inter­es­sen­ten mehr, sodass Unter­neh­men und Tech­no­lo­gie ver­schwan­den.1 Dabei ist es doch schein­bar von Vor­teil, wenn Mate­rial für den Zweck, den es zu erfül­len hat, ange­passt und opti­miert wird? Laut Diet­rich Mau­er­hoff, einem Glas-Experten mit zahl­rei­chen Publi­ka­tio­nen, über­dau­ert ein solch che­misch ver­fes­tig­tes Glas im All­tags­ge­brauch fünf­mal län­ger als ein her­kömm­li­ches Glas im glei­chen Design. Auch würde eine Ober­flä­chen­ver­let­zung nicht zum Bruch füh­ren, son­dern ledig­lich die Fes­tig­keit ver­min­dern.2 Und genau diese Eigen­schaf­ten sind die ent­schei­den­den Punkte. Denn mit einer solch enor­men Stei­ge­rung der Lebens­dauer kau­fen Unter­neh­men und Pri­vat­haus­halte auch weni­ger Glas ein, da es sel­te­ner zu Neu­an­schaf­fun­gen kommt. Also würde die Indus­trie letzt­lich auch weni­ger Geld ver­die­nen. Oder?

In der DDR hiel­ten nicht nur Trink­glä­ser län­ger, son­dern auch andere Dinge wie Staub­sau­ger, Kühl­schränke, Sitz­mö­bel, Glüh­bir­nen oder Kraft­fahr­zeuge. Auch diese waren sicher­lich nicht unzer­stör­bar, aber trotz­dem erge­ben sich dadurch eine Reihe neuer Fra­gen: Warum hiel­ten frü­her die Dinge län­ger? Und warum aus­ge­rech­net in der DDR über einen so lan­gen Zeit­raum? Eigent­lich müss­ten wir heute, im 21. Jahr­hun­dert längst ange­kom­men, deut­lich fort­schritt­li­cher leben, bedingt durch stän­di­ger For­schung und Wei­ter­ent­wick­lung von Che­mie und Tech­nik. Trotz­dem hält der durch­schnitt­li­che Flach­bild­fern­se­her nur drei bis vier Jahre,3 woge­gen man­che Haus­halte noch immer einen erkenn­bar älte­ren Röh­ren­fern­se­her ver­wen­den. Ist dies viel­leicht doch eher auf eine noch nicht aus­ge­reifte Tech­nik zurück­zu­füh­ren? Oder liegt es daran, dass die Kon­su­men­ten zu güns­ti­ge­ren Pro­duk­ten grei­fen, die somit auch schlech­ter ver­ar­bei­tet sind?

Wie gehen wir heute eigent­lich vor, wenn etwas defekt ist? Ver­su­chen wir es selbst zu repa­rie­ren? Haben wir dazu noch die Fähig­kei­ten und das nötige Wis­sen? Erlaubt uns die heu­tige Gestal­tung der Dinge eine eigen­hän­dige Repa­ra­tur, oder sol­len wir kon­su­mie­ren was uns vor­ge­setzt wird? Kön­nen wir über­haupt mitentscheiden?

Im Fol­gen­den wer­den die Unter­schiede zwi­schen dama­li­ger und heu­ti­ger Gestal­tung und den Ursa­chen für die kür­zere Pro­dukt­le­bens­dauer genauer unter­sucht und beson­ders der Hin­ter­grund beleuch­tet, warum Inves­ti­ti­ons– und vor allem Kon­sum­gü­ter in der DDR län­ge­ren Bestand hat­ten als unsere heu­ti­gen. Was machen Her­stel­ler und Desi­gner heute anders? Gehen wir damit den rich­ti­gen Weg? Und falls nicht: Was kann man ändern?

Was kön­nen wir vom DDR-Design lernen?

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  1. Vgl. http://www.pressglas-korrespondenz.de/archiv/pdf/pk-2011-3w-01-mauerhoff-schwepnitz-hartglas-CV.pdf, 2011, S.1. [20.08.2013]

  2. Vgl. http://www.pressglas-korrespondenz.de/archiv/pdf/pk-2011-3w-01-mauerhoff-schwepnitz-hartglas-CV.pdf, 2011, S. 6. [20.08.2013]

  3. Vgl. http://www.golem.de/news/hdtv-viele-flachbildfernseher-halten-nur-wenige-jahre-1205–91517.html [20.08.2013]