2.4.1.1 Horst Michel

In die­sem Zusam­men­hang muss ein Gestal­ter sepa­rat her­vor­ge­ho­ben wer­den. Bemer­kens­wert an Horst Michel sind ins­be­son­dere seine beharr­lich hohen Qua­li­täts­an­sprü­che in der Pro­dukt­ge­stal­tung, wor­aus sich zudem ein ableh­nen­des Ver­hal­ten gegen­über modi­schen oder kit­schi­gen Gütern ergab, wel­chen er kon­se­quent ent­ge­gen­ar­bei­tete. Aus die­ser Über­zeu­gung her­aus folg­ten, noch vor DDR-Gründung, zwei Initia­ti­ven, wel­che ver­such­ten die Bevöl­ke­rung, Betriebe und sicher­lich auch die Poli­tik zu ästhe­ti­schen Wer­ten zu erzie­hen. In sei­nem bereits 1947 ver­fass­tem (jedoch letzt­lich nicht ver­ab­schie­de­tem) Gesetz gegen die Aus­beu­tung des Vol­kes durch Kitsch ver­suchte Michel haupt­säch­lich auf die Ver­schwen­dung von wich­ti­gen Res­sour­cen und finan­zi­el­ler Mit­tel infolge unbrauch­ba­rer, gewinn­ori­en­tier­ter Pro­dukte hin­zu­wei­sen. 1948 konnte er das Güte­zei­chen für Kunst­hand­werk und Kunst­ge­werbe durch­set­zen, wodurch nicht nur erneut ver­sucht wurde die Nut­zer gestal­te­risch zu erzie­hen, son­dern ebenso ein wirt­schaft­li­ches Mit­tel für den Han­del zu schaf­fen, um aus­ge­wählte Pro­dukte mit einem höhe­ren Preis zu ver­se­hen.1 Die Aus­zeich­nung wurde bis 1956 jähr­lich auf der Leip­zi­ger Grassi-Messe vergeben.

Wei­tere bedeu­tungs­volle Ent­schlüsse Michels waren umfas­sende Sor­ti­ments­be­rei­ni­gun­gen, für die das Insti­tut für Innen­ge­stal­tung ab 1954 beauf­tragt wurde, mit deren Hilfe die qua­li­ta­tiv und funk­tio­nal nicht mehr aus­rei­chen­den Pro­dukte aus der Her­stel­lung ver­drängt und gege­be­nen­falls neu ent­wor­fen wer­den soll­ten,2 sowie die ab 1956 erschei­nen­den Gel­ben Hefte, die geschmackser­zie­he­risch für funk­tio­nale For­men­spra­chen argu­men­tier­ten und zum Bei­spiel kon­trast­reich gute und schlechte Ent­würfe gegen­über­stell­ten.3

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  1. Vgl. Petra Eisele, Ist Geschmack Glücks­sa­che? Horst Michel und das Wei­ma­rer Insti­tut für Innen­ge­stal­tung, in: Eisele (Hrsg.)2004, S. 27f.

  2. Vgl. Petra Eisele, Ist Geschmack Glücks­sa­che? Horst Michel und das Wei­ma­rer Insti­tut für Innen­ge­stal­tung, in: Eisele (Hrsg.)2004, S. 36f.

  3. Vgl. Petra Eisele, Ist Geschmack Glücks­sa­che? Horst Michel und das Wei­ma­rer Insti­tut für Innen­ge­stal­tung, in: Eisele (Hrsg.)2004, S. 40.