2.4.1 Weimar

In Wei­mar wurde am 24. August 1946 das Bau­haus offi­zi­ell als Staat­li­che Hoch­schule für Bau­kunst und bil­dende Künste wie­der eröff­net. Direk­tor war Her­mann Hen­sel­mann, wel­cher, um die wirk­li­chen Tra­di­tio­nen des Bau­hau­ses erneut auf­zu­grei­fen, bewusst ehe­ma­lige Bau­häus­ler als Leh­rer auf­nahm. Horst Michel, der zuvor unter ande­rem Mit­ar­bei­ter in Bruno Pauls Ate­lier für Innen­ge­stal­tung war und spä­ter ein eige­nes Gebrauchsgrafik-Atelier in Ber­lin betrieb, wurde zusätz­lich dazu beru­fen. Es exis­tierte eine Vor­lehre – in ihrer Art und Weise anknüp­fend an Josef Albers – in der Grund­la­gen durch Peter Keler und Hans Hoffmann-Lederer ver­mit­telt wer­den soll­ten. Wie es auch einst das Ziel des Bau­hau­ses war als künst­le­ri­sche Bera­tungs­stelle für Indus­trie, Gewerbe und Hand­werk zu wir­ken, so wurde fer­ner­hin bei der Neu­grün­dung in Wei­mar Wert dar­auf gelegt den Wie­der­auf­bau des Lan­des zu unter­stüt­zen. So ent­stan­den Neu­bau­ern­häu­ser, Schu­len und auch Innen­räume für das Wei­ma­rer Natio­nal­thea­ter. Gus­tav Has­sen­pflug, der für den Kurs Städ­te­bau ver­ant­wort­lich war, ent­warf Bau­kas­ten­mö­bel, die inspi­riert waren durch die Anbau­mö­bel von Wal­ter Gro­pius und Erich Dieck­manns Typen­mö­bel. Auch bei der Rekon­struk­tion des Gropius-Denkmals für die März­ge­fal­le­nen leis­tete die Schule Unter­stüt­zung.1

Schon bald nach der Grün­dung hatte die Schule jedoch einige Schwie­rig­kei­ten. Durch beste­hende Trüm­mer und Not wurde an der schein­bar nur ver­zö­gern­den Vor­lehre gezwei­felt – sowohl von den Stu­den­ten selbst, als auch von außer­halb. Die zuneh­mend sta­li­nis­tisch ori­en­tierte SED bedrängte Hen­sel­mann, sodass die­ser 1949 die Lei­tung an Fritz Dähn über­gab, wel­cher den Leit­li­nien der KP und spä­ter der SED sehr nahe stand. Die Abtei­lung bil­dende Künste wurde ent­fernt und 1951 zur Dres­de­ner Hoch­schule hin­zu­ge­fügt. Auch Fritz Dähn ging nach Dres­den. Schließ­lich erhielt die Schule den Namen Hoch­schule für Archi­tek­tur. Horst Michel grün­dete das Insti­tut für Innen­ge­stal­tung, wel­ches dau­er­haft in die Schule inte­griert wurde. Durch das Ver­schwin­den von Lehr­kräf­ten und der Beein­flus­sung der Par­tei ver­schwand die ursprüng­li­che Anleh­nung an das Bau­haus zuneh­mend.2 1954 erfolgte die Umbe­nen­nung zur Hoch­schule für Archi­tek­tur und Bau­we­sen Wei­mar.3

Trotz des vor­läu­fi­gen Abklin­gens des Bauhaus-Gedankens war die Hoch­schule eine der füh­ren­den Archi­tek­tur– und Bauwesen-Bildungsanstalten in der DDR. Horst Michel ach­tete, neben den ver­pflich­ten­den Prak­tika, auf pra­xis­nahe Aus­bil­dung und ver­sorgte die Stu­die­ren­den mit ech­ten Auf­trä­gen von klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men.4 Als man in der DDR Ende der sech­zi­ger Jahre das Bau­haus aus der Tabui­sie­rung löste, fan­den in Wei­mar, wie auch in Des­sau, inter­na­tio­nale Bauhaus-Kolloquien statt, wel­che bis 1986 fort­ge­führt wur­den.5

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  1. Vgl. Karl-Heinz Hüter, Dem Bau­haus Bahn bre­chen, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 79ff.

  2. Vgl. Karl-Heinz Hüter, Dem Bau­haus Bahn bre­chen, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 83.

  3. Anmer­kung des Ver­fas­sers: Da sich Karl-Heinz Hüter in sei­nem Arti­kel zu wider­spre­chen scheint, was das Datum der Her­aus­lö­sung der Abtei­lung Bil­dende Künste und die Umbe­nen­nung der Schule betrifft, wurde zusätz­lich zu den Anga­ben Gün­ter Höh­nes die Quelle http://www.uni-weimar.de/cms/universitaet/geschichte.html [20.08.2013] hin­zu­ge­zo­gen. Da es sich um den haus­ei­ge­nen Inter­net­auf­tritt han­delt wird hier die Kor­rekt­heit der Jah­res­an­gabe ver­mu­tet.

  4. Vgl. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 144.

  5. Vgl. Bern­hard Bür­dek, Design ‒ Geschichte, Theo­rie und Pra­xis der Pro­dukt­ge­stal­tung, 3. vollst. über­arb. u. erw. Aufl., Basel 2005, S. 105.