2.4.2.1 Wiedereröffnung des Bauhaus Dessau

Nach­dem die Ver­ord­nung eines sozia­lis­ti­schen Rea­lis­mus, auf den spä­ter noch etwas inten­si­ver ein­ge­gan­gen wird, lang­sam ver­ebbt war und immer mehr Argu­mente ver­öf­fent­licht wur­den, die für das Bau­haus und seine Leit­ge­dan­ken spra­chen, arbei­tete der frü­here Bau­häus­ler Kon­rad Püschel 1964 mit Stu­den­ten an einer voll­stän­di­gen Auf­zeich­nung des Gebäu­des. Ziel war es eine Rekon­struk­tion des Gebäu­des bis 1966, dem vier­zig­jäh­ri­gen Jubi­läum des Gebäu­des, zu ermög­li­chen inklu­sive einer gro­ßen Eröff­nungs­feier zu der auch Wal­ter Gro­pius ein­ge­la­den wurde. Obwohl sogar finan­zi­elle Unter­stüt­zung vom Kul­tur­mi­nis­te­rium zuge­sagt wurde, blieb das Pro­jekt zum Schluss unge­klärt ohne Fol­gen.1

Im Anschluss an die Unter­zeich­nung des Grund­la­gen­ver­trags zwi­schen der BRD und der DDR am 21.Dezember 1972 musste hin­ge­gen die inter­na­tio­nale Pres­se­kri­tik zum Zustand des Gebäu­des beach­tet wer­den. Die zuvor ver­tre­te­nen Mei­nun­gen über das Bau­haus und den Funk­tio­na­lis­mus wur­den über die sech­zi­ger Jahre lang­sam gelo­ckert und man ver­trat nun die Mei­nung, dass die Bemü­hun­gen des Bau­hau­ses um indus­tri­elle Bau­me­tho­den im Groß­plat­ten­bau der DDR ihre Erfül­lung gefun­den hät­ten.2 Von 1976 bis 1978 wurde das Bau­haus Des­sau rekon­stru­iert und als Wissenschaftlich-Kulturelles Zen­trum Bau­haus Des­sau von Georg Opitz gelei­tet. Häu­fig fan­den inter­na­tio­nale Ver­an­stal­tun­gen mit Desi­gnern aus ver­schie­de­nen Län­dern statt. 1987 wurde es laut Regie­rungs­be­schluss als Stätte der Bil­dung, der For­schung und Ent­wick­lung sowie des inter­na­tio­na­len Erfah­rungs­aus­tauschs und der gegen­warts­be­zo­ge­nen Pflege des Erbes auf den Gebie­ten von Städ­te­bau und Archi­tek­tur, Pro­dukt– und Umwelt­ge­stal­tung sowie archi­tek­tur­be­zo­ge­ner Kunst der DDR genutzt. Folg­lich diente es nun für Ent­wurfs­se­mi­nare, Work­shops, Sym­po­sien, Fach­ta­gun­gen und Qua­li­fi­zie­rungs­lehr­gän­gen für Desi­gner und Archi­tek­ten. Seit 1980 fan­den jähr­lich inter­dis­zi­pli­näre und –natio­nale Hannes-Meyer-Seminare zur DDR-Stadterneuerung statt.

Nach der poli­ti­schen Wende berei­tete eine Workshop-Reihe die teil­neh­men­den Gestal­ter auf die für sie neue Markt­wirt­schaft vor.3

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  1. Vgl. Karl-Heinz Hüter, Dem Bau­haus Bahn bre­chen, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 98f.

  2. Vgl. Karl-Heinz Hüter, Dem Bau­haus Bahn bre­chen, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 104f.

  3. Vgl. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 33f.