2.4.4.1 Vergleiche zwischen Ulm und Halle

Um die Unter­schiede und Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den Ost– und West-Designern noch deut­li­cher her­vor­zu­he­ben, ist auch ein kur­zer ver­glei­chen­der Blick auf deren bekann­teste Hoch­schu­len sinnvoll.

Zunächst fuß­ten beide Schu­len auf den Grund­ge­dan­ken des Bau­hau­ses und führ­ten ebenso eine Grund­lehre ein. Nach Bür­dek waren die The­men des Lehr­plans in Ulm sehr von den wech­seln­den Gast­do­zen­ten geprägt, wodurch sich dort, wie auch in der Theo­rie­ent­wick­lung, keine feste Bestän­dig­keit erge­ben konnte.

„[…] waren es doch eher zufäl­lige theo­re­ti­sche Bruch– und Fund­stü­cke, die in Ulm the­ma­ti­siert, das heißt in Lehre und For­schung inte­griert wur­den.“1

Wurde die HfG Ulm zu Beginn der Sech­zi­ger nicht mehr als for­schende und ent­wi­ckelnde Insti­tu­tion ange­se­hen und bekam so die finan­zi­el­len Mit­tel der Bun­des­re­gie­rung gestri­chen,2 ver­stärk­ten sich in Halle die wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen beson­ders Anfang der acht­zi­ger Jahre. Hier wurde, wäh­rend auch inter­na­tio­nale Design­trends ana­ly­siert wur­den, beson­ders der Funk­tio­na­lis­mus und die Pro­dukt­se­man­tik unter­sucht.3 Wäh­rend Burg Gie­bi­chen­stein und die übri­gen Gestal­tungs­hoch­schu­len zunächst von der For­ma­lis­mus­de­batte betrof­fen waren, kri­ti­sierte spä­ter manch einer in Ulm um 1967/68 den Funk­tio­na­lis­mus, indes andere die­sen wei­ter ver­fol­gen woll­ten.4 Zu die­ser Zeit wurde der Funk­tio­na­lis­mus in der DDR wie­der zöger­lich stär­ker akzep­tiert und über die Jahre hin­weg kon­ti­nu­ier­lich wei­ter behan­delt. Auf­kom­mende Desi­gn­rich­tun­gen wie zum Bei­spiel das sehr vom Sty­ling beein­flusste post­mo­derne Design ergab in Betracht des modi­schen Ver­falls kei­nen Sinn in einer Plan­wirt­schaft und wurde ver­mut­lich auch allein des­halb zwar durch­aus dis­ku­tiert, aber nicht plan­mä­ßig in der Pra­xis ver­folgt und umgesetzt.

Unbe­dingt erwähnt wer­den muss an die­ser Stelle aber ein all­ge­mei­nes Ziel Ulms, wel­ches mit der Bestre­bung der DDR-Designer über­ein­zu­stim­men schien. Hier­bei sei vor allem an die Gute Form erin­nert. Claude Schnaidt, selbst Dozent an der HfG Ulm, betonte spä­ter die sozia­len Ziele der Hoch­schule sowie den ver­folg­ten Zweck eine Erhö­hung des Gebrauchs­werts von Gütern zu errei­chen und ebenso deren Lebens­dauer zu ver­län­gern, um schließ­lich einem ver­schwen­de­ri­schen Umgang ent­ge­gen­zu­wir­ken.5

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  1. Bür­dek 2005, S. 46.

  2. Vgl. Bür­dek 2005, S. 47.

  3. Vgl. Bür­dek 2005, S. 105.

  4. Vgl. Bür­dek 2005, S. 47.

  5. Vgl. Claude Schnaidt, Ulm 1955–1975, in: arch­ti­these, Heft 15/1975, S.5, zit. n. Gert Selle, Design im All­tag, Frank­furt 2007, S. 133.