2.4.4 Halle

Bereits 1925 wech­sel­ten Bau­haus­schü­ler, die mit der indus­tri­ell immer stär­ker ori­en­tier­ten Ent­wick­lung am Bau­haus unzu­frie­den waren, mit Ger­hard Marcks und Mar­gue­rite Fried­la­en­der nach Halle zur Burg Gie­bi­chen­stein. 1928 kam der Schwei­zer Archi­tekt, Bauhaus-Dozent und Mit­ar­bei­ter Mey­ers Hans Witt­wer dazu und 1930 auch Erich Dieck­mann. Nach­dem die Schule wäh­rend der Gleich­schal­tung in Meis­ter­schule des deut­schen Hand­werks umbe­nannte wurde, begann schon am 10. Okto­ber 1945 der Stu­di­en­be­trieb unter dem Namen Kunst­schule und Werk­stät­ten der Stadt Halle. Nach wei­te­ren Umbe­nen­nun­gen, Umstruk­tu­rie­run­gen und der Aner­ken­nung des Hoch­schul­sta­tus blieb diese von 1958 bis 1989 die Hoch­schule für indus­tri­elle Form­ge­stal­tung Halle ‒ Burg Gie­bi­chen­stein. Der Gra­fi­ker und Bau­häus­ler Wal­ter Funkat über­nahm ab 1950 die Lei­tung und geriet, wie auch zeit­gleich Mart Stam in Ber­lin, unter ideo­lo­gi­schen Angrif­fen der For­ma­lis­mus­de­batte, wel­che bis zu Beginn der sech­zi­ger Jahre drohte, die Schule zu schlie­ßen. Viele Stu­die­rende und auch Leh­rende ver­lie­ßen dar­auf­hin die DDR. Der junge Dozent Lothar Zitz­mann führte 1955 eine, zwar am Bau­haus aus­ge­rich­tete, aber trotz­dem selbst­stän­dige Grund­lehre der visu­el­len Gestal­tung ein. 1959 wurde die Fach­rich­tung Tech­ni­sche Form­ge­bung ein­ge­führt. Mitte der sech­zi­ger Jahre wurde der Schwer­punkt in For­schung, Ent­wick­lung und Lehre auf Werk­zeug– und Bau­ma­schi­nen, Schie­nen– und Fahr­zeug­tech­nik und Arbeits­um­welt­ge­stal­tung ver­legt. Wei­ter­hin exis­tier­ten andere Lehr­gänge, wel­che die Gestal­tung von Möbeln, Kera­mik, Glas, Tex­ti­lien, Spiel­zeug, Gebrauchs­gra­fik behan­del­ten, sowie ein Kurs zur Theo­rie und Metho­dik der Indus­trie­form­ge­stal­tung.1

Als Horst Oehlke, ein leh­ren­der Design­theo­re­ti­ker an der Burg, in der Fach­zeit­schrift form + zweck Bemer­kun­gen zu der Diplom­ar­beit Bern­hard E. Bür­deks machte, einer der letz­ten Absol­ven­ten der Ulmer Hoch­schule für Gestal­tung, bemühte sich die­ser um eine Kon­takt­auf­nahme. Oehlke ver­suchte anschlie­ßend eine Geneh­mi­gun­gen zum Aus­tausch wis­sen­schaft­li­cher Schrif­ten zu erhal­ten, sodass er von Bür­dek west­deut­sche Publi­ka­tio­nen bekom­men konnte. Ebenso unter­nahm er meh­rere Ver­su­che ihn nach Halle zu einem der zahl­rei­chen Kol­lo­quien ein­zu­la­den, was aber nicht gelang. Aller­dings konnte Bür­dek, bei sei­nen sel­te­nen Besu­chen in West­ber­lin, sich mit Oehlke im öst­li­chen Teil tref­fen und unter ande­rem DDR-Design-Literatur kau­fen. So erhielt er viele Publi­ka­tio­nen, die im Wes­ten zum größ­ten Teil unbe­kannt waren und bekam außer­dem einen Ein­blick in die Desi­gn­lehre der DDR, spe­zi­ell über die Burg.2 Er schreibt über Halle:

„Es gab mei­nes Wis­sens keine andere Desi­gn­hoch­schule im Osten wie im Wes­ten Deutsch­lands, an der mit solch einer Inten­si­tät und Kon­ti­nui­tät die Fra­gen von Theo­rie und Metho­dik the­ma­ti­siert wur­den.“3

Anschlie­ßend bemän­gelt er,

„dass in der design­theo­re­ti­schen Com­mu­nity der DDR selbst­ver­ständ­lich auch die west­deut­schen und inter­na­tio­na­len Fach­bei­träge zu die­sem The­men­kreis rezi­piert wur­den, was man aus west­deut­scher Sicht umge­kehrt wahr­lich nicht kon­sta­tie­ren kann. Hier schielte man […] per­ma­nent nach Ita­lien[…]“.4

1989 erfolgte die Umbe­nen­nung der Hoch­schule in Burg Gie­bi­chen­stein ‒ Hoch­schule für Kunst und Design Halle. Nach Umstruk­tu­rie­run­gen und zahl­rei­chen Eva­lu­ie­rungs­pha­sen blieb der uni­ver­si­täre Sta­tus der Schule erhal­ten. Noch heute genießt die Schule einen guten Ruf.5

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  1. Vgl. Karl-Heinz Hüter, Dem Bau­haus Bahn bre­chen, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 86f und Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 51ff und http://www.burg-halle.de/hochschule/hochschulkultur/geschichte/ [20.08.2013].

  2. Vgl. Bern­hard Bür­dek, Hin­gu­cker: Theo­rie & Metho­dik, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 212f.

  3. Bern­hard Bür­dek, Hin­gu­cker: Theo­rie & Metho­dik, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 220.

  4. Bern­hard Bür­dek, Hin­gu­cker: Theo­rie & Metho­dik, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 220.

  5. Vgl. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 52f.