2.6.3 Werbeverbote

Eine Aus­wir­kung der hohen Staats­ver­schul­dung war auch das Wer­be­ver­bot. Da in der DDR eine Plan­wirt­schaft herrschte, musste mit den vor­han­de­nen Roh­stof­fen sorg­sam umge­gan­gen wer­den. Schon ab den sech­zi­ger Jah­ren ver­suchte man durch ein­zelne Wer­be­ver­bote den Kon­su­men­ten vom Kauf bestimm­ter Pro­dukte abzu­hal­ten, um gerin­ger Ver­füg­bar­keit ein­zel­ner Waren vor­zu­beu­gen. Gleich­zei­tig sollte die Bevöl­ke­rung durch Wer­bung für reich­lich vor­han­dene Pro­dukte, die zuvor etwa den Kauf­wün­schen nicht ent­spro­chen hat­ten, dazu erzo­gen wer­den, volks­wirt­schaft­lich ver­ant­wort­lich zu kon­su­mie­ren. Ent­ge­gen den Zie­len einer freien Markt­wirt­schaft, soll­ten die DDR-Bürger ihre erwor­be­nen Güter lang­fris­tig gebrau­chen und nicht etwa auf­grund phy­si­scher oder mora­li­scher Abnut­zung ent­sor­gen.1

Bis 1962 ver­füg­ten Han­del und Her­stel­ler über einen gesetz­lich bestimm­ten Werbe-Etat, wel­cher danach hal­biert wurde, sodass sich man­che Gebrauchs­gra­fi­ker und Her­stel­ler von Wer­be­trä­gern beruf­lich umori­en­tie­ren muss­ten. Ab 1967 muss­ten sich die Betriebe für neue Wer­be­maß­nah­men unter­ein­an­der abspre­chen, wenn sie keine Geld­strafe ris­kie­ren woll­ten.2 Nach einer wei­te­ren Ein­schrän­kung erfolgte 1975 die Anord­nung zum spar­sa­men Ein­satz mate­ri­el­ler und finan­zi­el­ler Fonds für Wer­bung und Reprä­sen­ta­tion, wel­che ein voll­stän­di­ges Inland-Werbeverbot beinhal­tete. Aus­nah­men wur­den dar­auf­hin nur noch sel­ten erteilt, wie zum Bei­spiel Wer­bung für Par­tei­li­te­ra­tur.3 Die Wer­be­ver­bote waren auch eine Aus­wir­kung durch die Zwangs­ent­eig­nung von Pri­vat­be­trie­ben 1972, wel­che zuvor Waren her­ge­stellt hat­ten, die nun fehl­ten. Das Ver­bot führte nicht nur zu weni­ger öffent­li­cher Pro­dukt­wer­bung, son­dern oben­drein zu einer Ver­wahr­lo­sung der Ver­pa­ckungs­kul­tur. An die­ser Stelle muss den Beob­ach­tun­gen Georg C. Bertsch durch­aus zuge­stimmt wer­den, als er die Packung von Tam­pons beschreibt:

„Die Packung ver­mit­telt kei­ner­lei Pro­duk­tas­so­zia­tion, keine Stim­mung, sie hat sozu­sa­gen keine Farbe, sie ist […] eben nur eine Behelfs­pa­ckung.“4

Auch Gün­ter Höhne spricht von einer „staat­lich sanktionierte[n] Krea­ti­vi­täts­ab­sti­nenz“.5

Durch die gewach­sene Kauf­kraft der Bevöl­ke­rung, aber nur weni­ger kauf­ba­rer Güter, wur­den Anwei­sun­gen zu einer zusätz­li­chen Kon­sum­gü­ter­pro­duk­tion erteilt. Betriebe soll­ten fünf Pro­zent ihrer eigent­li­chen Pro­duk­tion für Dinge auf­wen­den, die nur gering vor­han­den waren. Viele die­ser Pro­dukte wur­den ohne pro­fes­sio­nelle Unter­stüt­zung von Gestal­tern her­ge­stellt und ent­spra­chen häu­fig eher dem Kitsch.6 Die bes­sere Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit Kon­sum­gü­tern erfolgte jedoch nicht.7

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  1. Vgl. Anne Kaminsky, “Es hat ja kei­nen Zweck, etwas zu sagen. Die machen ja doch, was sie wol­len.” – Kon­sum­po­li­tik in der Man­gel­wirt­schaft, in: Eisele (Hrsg.) 2004, S. 12f.

  2. Vgl. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 387ff.

  3. Vgl. ebd., S. 389.

  4. Bertsch/Hedler, Köln 1990, S. 31.

  5. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 111.

  6. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 170f.

  7. Vgl. http://www.uni-leipzig.de/fernstud/Zeitzeugen/zz175.htm [20.08.2013]