2.6.5 Anonymes Design

Wurde bereits zuvor erwähnt, dass Gestal­ter sowohl in der DDR, als auch im Aus­land, nicht nament­lich benannt wur­den und Her­stel­ler oder die DDR im All­ge­mei­nen beim Export auch nicht, so sind schon einige Gründe vor­han­den, die erklä­ren, warum DDR-Design eigent­lich wei­test­ge­hend unbe­kannt ist. Hin­zu­zu­fü­gen ist eben­falls noch, dass in den sieb­zi­ger Jah­ren bekannte Tra­di­ti­ons­mar­ken inner­halb des Lan­des zu Kom­bi­na­ten zusam­men­ge­fügt wur­den und so glei­cher­ma­ßen aus dem Gedächt­nis der Bevöl­ke­rung ver­schwan­den.1 Zusätz­lich mit dem Ver­schwin­den einer Ver­pa­ckungs­kul­tur wun­dert es nicht, dass West­pro­dukte 1990 schnell den Osten erobern konn­ten, da sie schon rein äußer­lich eine attrak­tive, neu­ar­tige und Bedürf­nis erwe­ckende Gestalt hat­ten. Jah­re­lang wur­den sie den DDR-Bürgern nahezu uner­reich­bar vor­ge­hal­ten. Viele Ost-Unternehmen wur­den anschlie­ßend über­rannt. Gert Selle erwähnt in die­sem Zusammenhang:

„Wer hat nicht schon sei­nen Trabbi ver­flucht und sich in den 320er BMW geträumt, der eben vor­bei­zischte? Dabei ist das schwarze Ding auch bloß ein arm­se­li­ger Yuppie-Traum […] von Möchtegern-Aufsteigern, die aus der Uni­for­mi­tät ihrer Abhän­gig­keit von Lifestyle-Symbolen nicht her­aus­kommt […]“2
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  1. Vgl. http://www.industrieform-ddr.de/joomla/textarchiv/38-artikel/78-interview-mit-guenter-hoehne [20.08.2013]

  2. Gert Selle, Vom Ver­schwin­den einer Kul­tur­dif­fe­renz, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 21f.