2.7.2 Karl Clauss Dietel

Die­tel wurde am 10. Okto­ber 1934 in Rein­hold­shain, West­sach­sen, gebo­ren. Sein Vater war Inha­ber eines Miet­wa­gen­ge­schäf­tes und galt somit als Unter­neh­mer, wes­halb Die­tel der Zugang zum Gym­na­sium und damit auch sein Traum­be­ruf Archi­tekt, ver­wehrt wurde. Nach sei­ner Lehre als Maschi­nen­schlos­ser ent­schied er sich für die neue Fach­rich­tung Karos­se­rie­bau an der Inge­nieur­schule für Kraft­fahr­zeug­bau in Zwi­ckau, der Hei­mat­stadt von Horch und Audi. Beein­flusst durch einen Besuch des Ber­li­ner Dozen­ten Rudi Hög­ner schrieb sich Clauss Die­tel 1956 in Berlin-Weißensee für eine Zusatz­aus­bil­dung in Form­ge­stal­tung ein. Kurz nach der ers­ten Phase der For­ma­lis­mus­de­batte war Ber­lin zwar schon getrennt, aber noch mit offe­nen Gren­zen aus­ge­stat­tet, sodass Die­tel Ein­flüsse inter­na­tio­na­ler Kunst, Archi­tek­tur, Lite­ra­tur und Musik erhal­ten konnte. Wäh­rend der Stu­di­en­zeit freun­dete er sich mit dem Kom­mi­li­to­nen Lutz Rudolph an, mit dem er zukünf­tig viele Pro­jekte gemein­sam gestal­tete. Nach dem Stu­dium arbei­tete er zwei Jahre in der Kraft­fahr­zeug­bau­ent­wick­lung in Karl-Marx-Stadt, war jedoch so unzu­frie­den, dass er 1962 Kan­di­dat im Ver­band Bil­den­der Künst­ler Deutsch­lands wurde, um frei­be­ruf­lich arbei­ten zu kön­nen.1 Es folg­ten viele unter­schied­li­che Arbei­ten in der Kon­sum– und Inves­ti­ti­ons­gü­ter­bran­che, Gra­fik­ge­stal­tung, Kunst, sowie spä­ter auch Archi­tek­tur und Raum­ge­stal­tung. Nach ver­schie­de­nen Lehr­auf­trä­gen und zahl­rei­chen Kul­tur­prei­sen wurde er 1988 zum Prä­si­dent des Ver­ban­des Bil­den­der Künst­ler gewählt. Die­tel war außer­dem ein ein­deu­ti­ger Geg­ner des AiF, was ein ent­schei­den­des Argu­ment für seine Wahl darstellte.

Der Grund, warum es von bedeu­ten­der Wich­tig­keit ist, Die­tel in einer Erör­te­rung des DDR-Design zu erwäh­nen, sind vor allem seine defi­nier­ten Gestal­tungs­phi­lo­so­phien, die sich nicht nur durch seine eige­nen Ent­würfe zie­hen, son­dern fer­ner­hin von ande­ren Gestal­tern behan­delt, dis­ku­tiert und auch kri­ti­siert wur­den. Hier ist zum Ers­ten das Offene Prin­zip zu benen­nen, wel­ches besagt, dass ein danach gestal­te­ter Ent­wurf offen für Pflege, Repa­ra­tur und Aus­tausch, zum Bei­spiel durch tech­ni­sche Neue­run­gen, sein sollte. Auch die sich ändern­den Ansprü­che und Vor­lie­ben des Nut­zers sol­len den Lebens­zy­klus eines Pro­duk­tes nicht beschrän­ken. Durch Kom­bi­na­tion mit unauf­dring­li­chen For­men wer­den lang­le­bige, öko­lo­gi­sche und ästhe­tisch bestän­dige Objekte mög­lich. Das Offene Prin­zip lässt sich aller­dings nicht auf alle Dinge anwen­den, da es selbst­ver­ständ­lich Situa­tio­nen gibt, an denen eine geschlos­sene Form bes­ser geeig­net erscheint. So weist Jens Kas­s­ner in sei­ner Aus­ar­bei­tung über das Werk Die­t­els auf emp­find­li­che Bau­teile hin, die nicht der Umwelt aus­ge­setzt sein soll­ten.2 Je nach­dem ist es hier aber sicher­lich auch mög­lich mit ver­schließ­ba­ren Türen zu arbei­ten, sodass die offe­nen Bestand­teile nicht direkt den äußer­li­chen Bedin­gun­gen aus­ge­setzt sind.

1973 ging Die­tel in der form + zweck außer­dem auf die Beson­der­hei­ten von Gebrauchs­pa­tina ein. Dort gab er bekannt:

„Das gut Gestal­tete ver­mag […] die Spu­ren der Zeit zu tra­gen. Sein Gestalt­bild wird dadurch gestei­gert, nicht aber gemin­dert“3

und benennt als Bei­spiele alte Werk­zeuge und Bau­werke ver­gan­ge­ner Epo­chen, wel­che durch ihr ables­ba­res Zeit­al­ter und von der Umwelt nicht unan­ge­tas­te­ten Ober­flä­chen ein Altern in Würde erreicht haben. Dama­lige Hand­wer­ker und Archi­tek­ten ver­wen­de­ten Gebrauchs­pa­tina aller­dings nicht als aus­drucks­stei­gern­des Mit­tel, son­dern gin­gen ganz bewusst von einem lan­gen Dasein des Objekts aus:

„Bauen und Gestal­ten war nicht nur Absicht, Neues zu schaf­fen […], son­dern auch das Stre­ben nach dau­er­haf­ten Leis­tun­gen […], die […] Künf­ti­gen die­ses Stre­ben noch erle­ben las­sen soll­ten.“4

Gestal­tungs­lö­sun­gen, die bei­spiels­weise einen Vintage-Effekt oder ver­gan­gene Zei­ten nach­ah­men, ent­spre­chen nicht die­ser Kate­go­rie. Ebenso kri­ti­siert Die­tel, dass durch den stei­gen­den Kon­sum­wunsch und die Eta­blie­rung von Pro­duk­ten als Sta­tus­sym­bol, benutzte Gegen­stände, denen das Alter deut­lich anzu­se­hen ist, zu Syn­ony­men „für das Abzu­set­zende“5 wur­den. Somit tra­gen nicht nur die Gebrau­cher eine Mit­schuld, son­dern vor allem die Her­stel­ler und Gestal­ter am Aus­gangs­punkt selbst. Die These wird ver­ständ­li­cher­weise bis heute noch dis­ku­tiert, denn nicht immer sind sicht­bare Gebrauchs­spu­ren bei einem Gegen­stand zu akzep­tie­ren. So behaup­tet bei­spiels­weise René Spitz:

“Design altert. Meist nicht ein­mal in Würde. […] Wenn sie [Patina] doch ein­mal ansetzt, ver­edelt sie den Pro­dukt­klas­si­ker zum Vin­tage, das als höchs­tes Aus­zeich­nungs­merk­mal den mone­tä­ren Wert auf Auk­tio­nen stei­gert.“6

Es ist ebenso anzu­mer­ken, dass Die­tel Gebrauchs­pa­tina nur so lange befür­wor­tet, bis sich hier­durch noch kein Nut­zen­sende abzeich­net, der Gegen­stand also wirk­lich beschä­digt ist. Eine starke Abnut­zungs­spur bei einem Ver­kehrs­mit­tel könnte, je nach Aus­maß, auch Unbe­ha­gen aus­lö­sen, selbst wenn die­ses noch funk­ti­ons­tüch­tig ist. Bei Hygie­ne­ar­ti­keln dürf­ten die glei­chen Reak­tio­nen erwar­tet wer­den. Außer­dem besteht die Mög­lich­keit, dass die Wert­stei­ge­rung durch Gebrauchs­pa­tina auch stär­ker oder sogar aus­schließ­lich durch den Nut­zer wahr­ge­nom­men wird, da die Geschichte dahin­ter, zunächst nur ihm bekannt ist. Ein Ruck­sack, wel­cher auf vie­len Rei­sen mit dabei war, gibt aller­dings oft auch Unbe­tei­lig­ten eine aben­teu­er­li­che Aus­sage. Ein PKW jedoch wird äußer­lich hin­ge­gen viel­leicht eher gerei­nigt, da er sonst Ver­wahr­lo­sung ver­mit­telt und ebenso kön­nen selbst repa­rierte Dinge, wie eine mehr­ma­lig geflickte Hose, in man­chen Kul­tu­ren eher Geld­not dar­stel­len, anstatt Ein­falls­reich­tum. Vintage-Effekte kön­nen zudem in der gra­fi­schen Gestal­tung bewusst ein­ge­setzt wer­den, um ein bestimm­tes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ziel zu errei­chen; man denke hier an die ver­schmutzte, zer­knit­terte und per DTP ‘auf­ge­sprühte’ Typo­gra­fie, wel­che hin­ge­gen auf eine infla­tio­näre Art und Weise für jugendlich/rockig anmu­tende Wer­be­trä­ger ver­wen­det wird und trotz­dem – oder gerade des­halb – einen modi­schen, zeit­lich ein­zu­ord­nen­den Abschnitt kenn­zeich­net. Auch hier gibt es natür­lich Aus­nah­men, doch diese Bei­spiele zei­gen, dass ehr­li­che Gebrauchs­spu­ren zwar nicht immer ver­edeln, wohl aber die Lebens­dauer eines Objekts ver­län­gern, wenn diese nicht ver­ab­scheut werden.

1981 ver­öf­fent­lichte Die­tel erst­mals seine Pro­dukt­phi­lo­so­phie Die gro­ßen fünf L7, in der glei­cher­ma­ßen das Offene Prin­zip und die Gebrauchs­pa­tina mit ein­ge­flos­sen sind. Nach Clauss Die­tel ist gute Gestal­tung somit…

  • lang­le­big, indem sie das Offene Prin­zip und die ver­edelnde Gebrauchs­pa­tina befolgt. Denn „nicht vor, son­dern nach dem Nut­zen­sende soll der mora­li­sche Ver­schleiß lie­gen“. Dar­aus ergibt sich auch eine Ableh­nung des Stylings.
  • leicht, sodass auch Schwä­chere damit umge­hen kön­nen. Gleich­zei­tig wird durch Gewichts­re­du­zie­rung Mate­rial gespart. Dinge, zu denen auch Archi­tek­tur zählt, soll­ten licht­durch­läs­sig und trans­pa­rent sein, um eine Inter­ak­tion mit dem Men­schen zu ermöglichen.
  • lütt/klein, also die Funk­ti­ons­er­fül­lung bei kleins­tem Volu­men, aber nach dem Maß­stab mensch­li­cher Phy­sis, damit sie sich dem Nut­zer die­nend und unauf­dring­lich gegen­über verhält.
  • lebens­freund­lich, infolge öko­lo­gisch ver­ant­wor­tungs­vol­ler Gestal­tung und Anpas­sung der Funk­tio­nen an die mensch­li­che Psy­che, was außer­dem nur durch die Aus­schlie­ßung des Sty­lings und der Stili­mi­tie­rung erreicht wird.
  • leise, um die die­nende Funk­tion zu unterstützen.

Neben der geleb­ten Theo­rie Die­t­els soll an die­ser Stelle aber auch auf einige wenige sei­ner Ent­würfe ein­ge­gan­gen wer­den. Inner­halb des Stu­di­ums gin­gen Die­tel und Rudolph auf Bodo Hem­pel, Inha­ber des Rund­funk­ge­rä­te­her­stel­lers Gerä­te­bau Hem­pel KG (HELIRADIO), zu und boten ihm eine kom­plette gestal­te­ri­sche Über­ar­bei­tung an, wor­aus ver­schie­dene Rund­funk­ge­räte und Laut­spre­cher ent­stan­den. Auf­ge­baut nach einem Bau­kas­ten­prin­zip ist bei den ers­ten Gerä­ten das Vor­bild Braun unver­kenn­bar. Spä­ter folg­ten dann eigen­stän­di­gere Designs wie das rk 5 sen­sit und die Kugel­laut­spre­cher K 20, die im Anschluss sogar im Wes­ten kopiert wur­den.8 Zusätz­lich ent­wi­ckel­ten sie als erste DDR-Designer die umfas­sende Cor­po­rate Iden­tity, wel­che zugleich ein neues Logo beinhal­tete.9

Am rk 5 sen­sit und den Fol­ge­ge­rä­ten rk 7 sen­sit und rk 88 sen­sit ist auch die Gestal­tungs­phi­lo­so­phie Die­t­els und Rudolphs erkenn­bar. Neben der bewuss­ten Gestal­tung aller Gerä­te­an­sich­ten und der freien Anord­nung und Fär­bung der Bedien­ele­mente, um Funk­ti­ons­grup­pen zu ord­nen und Wich­tig­keit zu defi­nie­ren und her­vor­zu­he­ben, ist der Emp­fän­ger von sei­nen Laut­spre­chern getrennt. Diese kön­nen, los­ge­löst vom Radio, frei im Raum auf­ge­stellt wer­den. Das Gerät lässt sich auf der Rück­seite öff­nen. Die Lebens­dauer der Ein­zel­ele­mente wird nicht nur durch ihre Qua­li­tät ver­deut­licht, son­dern ebenso im äuße­ren Erschei­nungs­bild. Denn über die Gene­ra­tio­nen hin­weg wur­den nur gering­fü­gige, durch tech­ni­schen Neue­run­gen bedingte, Ände­run­gen vor­ge­nom­men. Somit wird die Gestal­tung nicht durch eine modi­schere ersetzt, son­dern fort­ge­führt. Die­tel beab­sich­tigte außer­dem, dass die Funk­tio­nen der Ele­mente mög­lichst selbst­er­klä­rend sein soll­ten, ohne dass der Nut­zer zusätz­lich eine Gebrauchs­an­wei­sung her­an­zie­hen müsste.10

Sehr anschau­lich wird das Offene Prin­zip am Klein­kraft­rad Mokick S 50 erkenn­bar. 1967 ent­war­fen Clauss Die­tel und Lutz Rudolph den Grund­ent­wurf, wor­auf 1974 die erste ver­öf­fent­lichte Gene­ra­tion folgte. Bis zum Ende der DDR schlos­sen sich 15 wei­tere an, die noch heute in gro­ßer Anzahl auf den Stra­ßen unter­wegs sind, obwohl der Her­stel­ler Sim­son Suhl längst nicht mehr exis­tiert. Durch die Plat­zie­rung der frei­ste­hen­den Ele­mente erga­ben und erge­ben sich ver­schie­dene Vor­teile für Her­stel­ler und Nut­zer: So konn­ten die Ein­zel­ele­mente auch in den fol­gen­den Gene­ra­tio­nen und Modell­va­ri­an­ten ver­wen­det wer­den, selbst wenn die Ele­mente tech­nisch über­holt wur­den. Dar­über hin­aus waren indi­vi­du­elle Vari­an­ten der Bau­teile mög­lich. Dies war in einer Plan­wirt­schaft äußerst sinn­voll. Der Nut­zer konnte leicht eine Repa­ra­tur bezie­hungs­weise einen Aus­tausch vor­neh­men, oder es sei­nen eige­nen Wün­schen anpas­sen, ohne ver­tie­fende Kennt­nisse der Tech­nik besit­zen zu müs­sen.11 Heinz Hir­dina fasste tref­fend zusammen:

„Seine Struk­tur ent­spricht den Vor­stel­lun­gen von drei ver­ge­gen­ständ­lich­ten Zeit­di­men­sio­nen: den Dimen­sio­nen lan­ger Dauer, dem das tra­gende Gestell als Qua­si­stan­dart folgt, den zeit­li­chen Dimen­sio­nen von kur­zer Dauer, denen die durch Plas­ti­zi­tät und Farbe her­vor­ge­ho­be­nen Teile fol­gen (Tank, Schutz­ble­che usw.) und die den jewei­li­gen Moden oder den Kapri­zen der Nut­zer ent­spre­chen kön­nen, dazwi­schen als dritte zeit­li­che Dimen­sion mitt­le­rer Lebens­dauer jene Bau­teile und Bau­grup­pen, die den Erneue­rungs­ra­ten der Tech­nik (Ver­schleiß, Inno­va­tion) fol­gen. Offe­nes Prin­zip meint sowohl diese zeit­li­che Offen­heit als auch eine for­male: Die Teile bezie­hungs­weise Bau­grup­pen sind nicht mehr form­schlüs­sig mit­ein­an­der ver­bun­den, kön­nen also aus­ge­tauscht wer­den, ohne den Nach­barn zu beein­träch­ti­gen. Der Aus­tausch eines Teils bleibt fol­gen­los für alle ande­ren.“12

Zuletzt sei nun noch ein Pro­jekt Karl Clauss Die­t­els für den öffent­li­chen Raum erwähnt. 1967 initi­ierte er, als Lei­ter einer Künst­ler­gruppe, mit der Orts­gruppe das Form­ge­stal­tungs­pro­gramm Karl-Marx-Stadt. Das Pro­gramm umfasste Stadt­mö­blie­rung, Spiel­plätze, Außen­leuch­ten, Tri­bü­nen, Wer­be­trä­ger und mehr. Gemein­sam mit Chris­tian Berndt und Wil­helm Mark­mann ent­wi­ckelte Die­tel so zum Bei­spiel kom­bi­nier– und sta­pel­bare Sitz­bänke, die, ganz nach dem Offe­nen Prin­zip, kei­nen fes­ten Stand­ort haben und sich vom Nut­zer umbauen las­sen. Zusätz­lich schuf Die­tel auch Beton­ele­mente, die dem sel­ben Prin­zip folg­ten. Das Zen­tral­in­sti­tut für Gestal­tung ließ eine Rea­li­sie­rung des Pro­jek­tes aller­dings nicht zu.13

Obwohl die Gestal­tun­gen Die­t­els durch­aus logi­sche, sinn­volle und mora­li­sche Zwe­cke ver­folg­ten, konn­ten viele Arbei­ten nicht oder nur teil­weise rea­li­siert wer­den. Dies gilt sowohl für die Arbei­ten in der DDR, als auch nach der poli­ti­schen Wende. Es sei zudem noch expli­zit erwähnt, dass Die­tel natür­lich nicht der Erfin­der grund­sätz­lich offe­ner Gestal­tung ist. Den­noch haben die von ihm ver­folg­ten Gestal­tungs­phi­lo­so­phien eine aktu­elle Dringlichkeit.

Bemer­kens­wert ist die Ableh­nung der Indus­trie, nach dem Ende der DDR, von offe­nen und lang­le­bi­gen Pro­duk­ten. In einem Inter­view von 1992 mit Clauss Die­tel und der Düs­sel­dor­fer Design-Kritikerin Elke Trapp­schuh bemerkte er, dass die Erfah­run­gen der Ost-Designer auch im Wes­ten von Inter­esse sein könn­ten,14 wor­auf Trapp­schuh nur antwortete:

„Wenn man die Mög­lich­keit hat, zwi­schen vie­len bun­ten Pup­pen aus­zu­wäh­len, ist die Poverté eigent­lich immer das Letzte, was man frei­wil­lig wählt.“´15

Trapp­schuh beti­telt damit nicht nur das res­sour­cen­scho­nende DDR-Design als Armuts­de­sign, wie es eben­falls Jens Kas­s­ner aus ihrer Aus­sage her­aus erkennt,16 son­dern strei­tet die Vor­teile und die Nütz­lich­keit der DDR-Design-Eigenschaften im Bezug zu unse­rer Desi­gnwelt gänz­lich ab und befür­wor­tet damit eine kon­sum­ori­en­tierte Wegwerfgesellschaft.

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  1. Vgl. Jens Kas­s­ner, Ost­form ‒ Der Gestal­ter Karl Clauss Die­tel, Leip­zig 2009, S. 12ff.

  2. Vgl. Jens Kas­s­ner, Ost­form ‒ Der Gestal­ter Karl Clauss Die­tel, Leip­zig 2009, S. 42f.

  3. Clauss Die­tel, Von den ver­edeln­den Spu­ren des Nut­zens oder Patina des Gebrauchs, in: form + zweck 1/1973, S. 39.

  4. Clauss Die­tel, Von den ver­edeln­den Spu­ren des Nut­zens oder Patina des Gebrauchs, in: form + zweck 1/1973.

  5. Clauss Die­tel, Von den ver­edeln­den Spu­ren des Nut­zens oder Patina des Gebrauchs, in: form + zweck 1/1973.

  6. René Spitz, Stühle, wollt ihr ewig leben?, in: ff. – Erin­ne­rung, 2012, S. 9.

  7. Vgl. Kas­s­ner 2009, S. 49. Die fol­gen­den fünf Punkte sind zusam­men­ge­fasst aus der Original-Zitierung ent­nom­men. Zugleich sind sie auch online hier nach­zu­le­sen: http://www.form-gestaltung-ddr.de/page11f11111111.html [23.07.2014]

  8. Vgl. Höhne 2001, S. 218f.

  9. Vgl. Gün­ter Höhne, Das große Lexi­kon ‒ DDR-Design, Köln 2008, S. 70f.

  10. Vgl. http://www.jens-kassner.de/wp-content/uploads/2010/10/offenes-prinzip.pdf, 2010, S. 2f [20.08.2013].

  11. Vgl. Kas­s­ner 2009, S. 40ff.

  12. Heinz Hir­dina, Offene Struk­tu­ren, geschlos­sene For­men, in: Höhne (Hrsg.) 2009, S. 241.

  13. Vgl. Kas­s­ner 2009, S. 33.

  14. Vgl. Was bleibt vom DDR-Design? In: design report, Heft 22, 1992, S.23, zit. n. Kas­s­ner 2009, S. 111.

  15. Was bleibt vom DDR-Design? In: design report, Heft 22, 1992, S.23, zit. n. Kas­s­ner 2009, S. 111.

  16. Vgl. Was bleibt vom DDR-Design? In: design report, Heft 22, 1992, S.23, zit. n. Kas­s­ner 2009, S. 111