3.3 Geplante Obsoleszenz

Jedoch ist die Ver­ant­wor­tung für die Ver­schwen­dung nicht nur bei den Nut­zern zu suchen. Einen maß­ge­ben­den Anteil tra­gen die Her­stel­ler der Pro­dukte, und damit glei­cher­ma­ßen die dort beschäf­tig­ten Desi­gner, wel­che bereits im frü­hen Sta­dium der Pro­dukt­ent­wick­lung ein­wir­ken. Geplante Obso­les­zenz (vom latei­ni­schem obso­le­scere, deutsch: sich abnut­zen, Wert ver­lie­ren) umgibt uns heute nahezu über­all, ohne dabei vom Unter­neh­men bewusst ange­ge­ben zu wer­den. Sie exis­tierte bereits zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts. Der ame­ri­ka­ni­sche Publi­zist Vance Packard benannte 1960 als einer der ers­ten die­ses Vor­ha­ben und unter­teilte es in drei Grup­pen: die qua­li­ta­tive, die funk­tio­nelle und die psy­chi­sche Obso­les­zenz.1 Bei allen Arten der Obso­les­zenz wird die Lebens­dauer eines Pro­duk­tes absicht­lich und bedingt her­vor­seh­bar ver­kürzt. Der Grund für diese Markt­stra­te­gie liegt in den wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len: Anstatt ein Pro­dukt zu ent­wi­ckeln, wel­ches lange Bestand hat und vom Kun­den nur ein­mal gekauft wird, wird ein Pro­dukt ent­wi­ckelt, wel­ches kur­zen Bestand hat und vom Kun­den mehr­mals gekauft wird. Dies erhöht die Nach­frage und somit den Gewinn.

Bei der qua­li­ta­ti­ven Obso­les­zenz wird dies dadurch erreicht, dass das Pro­dukt absicht­lich mit qua­li­ta­ti­ven oder pro­gram­mier­ten Schwach­stel­len pro­du­ziert wird, sodass es, gele­gent­lich auch unmit­tel­bar nach Garan­tie­ab­lauf, obso­let wird. Bei­spiel­pro­dukte für die qua­li­ta­tive Obso­les­zenz sind in der Elek­tro­nik zahl­reich zu fin­den. So been­den etwa Haus­halts­dru­cker ver­schie­de­ner Mar­ken ihren Dienst durch mecha­ni­sche oder digi­tale Pro­gram­mie­rung, nach­dem ein zuvor fest­ge­legte Sei­ten­an­zahl erreicht wurde.2 Begrün­det wird diese plötz­li­che Dienst­ver­wei­ge­rung mit einer not­wen­di­gen tech­ni­schen War­tung, des­sen Repa­ra­tur sich anschlie­ßend aber als deut­lich teu­rer erweist, als ein Neu­kauf. Aber auch Tex­ti­lien wie etwa Nylon­strümpfe wur­den in der Ver­gan­gen­heit che­mi­sche Zusatz­stoffe ent­fernt, sodass sich durch die Ein­wir­kung von UV-Licht leich­ter Lauf­ma­schen bil­den kön­nen.3

Bei der funk­tio­nel­len Obso­les­zenz wird von einem ein­ge­bau­ten Ver­schleiß abge­se­hen. Statt­des­sen ver­liert das Pro­dukt durch fort­schrei­tende Ver­bes­se­run­gen an Attrak­ti­vi­tät. Die vorab von Praschl erwähnte Digi­tal­ka­mera gehört in diese Kate­go­rie, wie auch die Abschal­tung der ana­lo­gen Satel­li­ten­si­gnale im April 2012 oder die Ent­wick­lun­gen in der Film­bran­che (VHS, DVD, Blu-ray) las­sen sich zur funk­tio­nel­len Obso­les­zenz einordnen.

Die psy­chi­sche Obso­les­zenz führt eben­falls zum früh­zei­ti­gem Ver­schleiß. Diese ist aller­dings durch die modi­schen Vor­lie­ben des Nut­zers bedingt und von unter­schied­li­cher Dauer. Merchandising-Produkte oder die seit den drei­ßi­ger Jah­ren ange­wandte Strom­li­ni­en­form sind tref­fende Auszüge.

Obwohl die geplante Obso­les­zenz nicht nur zu Ver­schwen­dung von immer knap­per wer­den­den Roh­stof­fen führt und der Elek­tro­schrott ille­gal nach Afrika trans­por­tiert wird,4 wer­den ihre Metho­den von vie­len Unter­neh­men bewusst ange­wen­det. Sie sind zeit­gleich eine mar­kante Gegen­über­stel­lung zum DDR-Design. Doch wie kamen diese Zustände über­haupt in die heu­tige Form?

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  1. Vgl. Vance Packard, The Waste Makers, Neu­auf­lage, Brook­lyn 2011, S.66f.

  2. Vgl. Cosima Dannorit­zer, Film „Kau­fen für die Müll­halde“, 2010; Anmer­kung des Ver­fas­sers: Da sich die Auf­de­ckung durch den gan­zen Film erschließt, ist eine genaue Zeit­an­gabe nicht mög­lich.

  3. Vgl. Cosima Dannorit­zer, Film „Kau­fen für die Müll­halde“, 2010, ab Minute 38:10.

  4. Vgl. Cosima Dannorit­zer, Film „Kau­fen für die Müll­halde“, 2010, ab Minute 55:00.