3.5.1 Die Eigenschaften des DDR-Designs

Was sind also die wesent­li­chen Merk­male in den Prin­zi­pien der DDR-Designer? Fasst man diese zusam­men, ergibt sich etwa Folgendes:

DDR-Design ist…

  • offen: Es ist nicht nur für jeden Men­schen, mög­lichst unab­hän­gig vom Ein­kom­men, ver­füg­bar, son­dern begüns­tigt zudem Aus­tausch und Erneue­rung und eine Ein­be­zie­hung des Nut­zers. Offen­heit führt zu Ehr­lich­keit, Ver­ständ­lich­keit und Transparenz.
  • lang­le­big: Es ist nicht nur von sinn­vol­ler, lang­le­bi­ger Mate­ri­al­qua­li­tät und tech­ni­scher Kon­struk­tion, son­dern erhält durch zeit­lich bestän­dige For­men ein ebenso andau­ern­des Erschei­nungs­bild. Dies setzt eine Abkehr von Mode und Sty­ling als nicht aus­tausch­ba­ren Bestand­teil einer Ober­flä­che vor­aus. Nut­zungs­be­dingte Gebrauchs­spu­ren zwin­gen außer­dem nicht unbe­dingt zu einem Austausch.
  • nütz­lich: Es folgt der Funk­tion wie vor­ge­se­hen und ist im opti­ma­len Fall sogar mul­ti­funk­tio­nal. Gleich­zei­tig ist es dem Men­schen gegen­über klein, aber in Form und Bedie­nungs­weise ange­passt und unter­stützt den Benut­zer so leise und unauf­dring­lich wie möglich.
  • redu­ziert: Es ist nicht nur von einer ein­fa­chen und somit benut­zer­freund­li­chen Gestalt, son­dern auch redu­ziert im Umgang mit dem ver­wen­de­ten Mate­rial. Dies ist zudem ein Bestand­teil der erfor­der­li­chen Umweltfreundlichkeit

Diese Defi­ni­tion macht simul­tan auch Ähn­lich­kei­ten zur Guten Form erkenn­bar,1 wel­che aller­dings dem Aspekt der offe­nen Gestal­tung weni­ger Gewicht zurech­net. Den­noch ist bei die­sen Punk­ten Kri­tik nicht unan­ge­mes­sen. Trans­pa­rente Dinge kön­nen etwa Inter­ak­tion und Offen­heit unter­stüt­zen, aber auch Pri­vat­sphäre neh­men. Gleich­zei­tig kann Trans­pa­renz zu Kom­ple­xi­tät bei Pro­duk­ten füh­ren; Zwar wird ein durch­sich­ti­ger Gegen­stand tech­nisch über­schau­ba­rer, doch folgt für einen tech­ni­schen Laien gege­be­nen­falls die Über­for­de­rung mit visu­el­len Infor­ma­tio­nen. Voll­kom­mene Trans­pa­renz in einem offen zugäng­li­chen Sys­tem setzt zudem ehr­li­che Men­schen vor­aus. John Maeda befür­wor­tet, um zu ein­fa­chen und somit ange­nehm über­sicht­li­chen Gestal­tun­gen zu kom­men, das Innere eines Gerä­tes zu ver­ste­cken.2 Die­ses Vor­ha­ben schützt gleich­zei­tig emp­find­li­che Bau­teile und könnte bei­spiels­weise durch eine ver­schließ­bare Tür gelöst wer­den, die den­noch jeder Nut­zer öff­nen kann, solange er dabei kei­ner Gefahr aus­ge­setzt wird.

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  1. Tho­mas Hauffe fasst in sei­nem Schnell­kurs Design die Eigen­schaf­ten der Guten Form prä­gnant zusam­men: “Funk­tio­na­li­tät, ein­fa­che Form, hoher Gebrauchs­wert, lange Lebens­dauer, zeit­lose Gül­tig­keit, Ord­nung, Ver­ständ­lich­keit, gute Ver­ar­bei­tung, Mate­ri­al­ge­recht­heit, per­fekte Details, Tech­no­lo­gie, ergo­no­mi­sche Anpas­sung, Umwelt­ver­träg­lich­keit”, Tho­mas Hauffe, Design – ein Schnell­kurs, Köln 2008, S. 128.

  2. Vgl. Maeda 2007, S. 5ff.